Die Begegnung mit dem Buch
Manchmal stolpere ich über ein Buch und spüre sofort: Das muss ich lesen! So war es auch bei Vor uns das Rauschen des Meeres von Janine Ukena. Ich habe es in meiner Online-Bibliothek entdeckt, und da ich ein großer Fan von Romanen mit romantischer Spannung bin, konnte ich nicht widerstehen.
Die Kombination aus Inselsetting, Familiengeheimnissen und einer tragischen Vergangenheit klang nach einer fesselnden Geschichte. Doch schon nach den ersten Kapiteln wurde mir klar: Die erhoffte Spannung blieb aus. Stattdessen las ich eine klassische Liebesgeschichte mit sehr vielen Geheimnissen – aber eben mit einer ganz eigenen Atmosphäre.
Erster Eindruck & Einstieg in die Geschichte
Der Anfang zog sich für mich ziemlich in die Länge. Ich musste mich wirklich zwingen, dranzubleiben. Das erhoffte Romantic Suspense-Gefühl stellte sich nicht ein, denn Spannung war in der Handlung kaum vorhanden – mit einer einzigen Ausnahme, die mich tatsächlich überrascht hat.
Vielmehr fühlte sich der Roman zu Beginn wie eine melancholische Rückkehr an einen Ort an, den beide Protagonisten lieber meiden würden. Dieses Gefühl von Flucht, aber gleichzeitig auch von Gefangensein in alten Erinnerungen, wurde gut transportiert.
Mit den Figuren hatte ich es allerdings nicht leicht. Maximilian war mir von Anfang an sympathisch, aber Sophie blieb mir lange Zeit fremd. Ich konnte sie nicht richtig greifen. Gleichzeitig wurde früh klar, dass sich hinter den Kulissen viele Geheimnisse verbergen – und das machte die Handlung für mich oft undurchsichtig.
Die Handlung und ihre Wirkung auf mich
Sophie kehrt nach Sylt zurück, um die Unschuld ihres verstorbenen Vaters zu beweisen. Doch die Vergangenheit holt sie schneller ein, als sie erwartet. Und als wäre das nicht schon genug, steht plötzlich auch noch die Liebe im Weg.
Vergangenheitsbewältigung und Familiengeheimnisse dominieren diesen Roman so stark, dass die Liebesgeschichte für mich fast in den Hintergrund rückte. Die Protagonisten haben mit so vielen verschiedenen Themen zu kämpfen, dass das eigentliche zentrale Motiv – Sophies Suche nach der Wahrheit – fast ein wenig untergeht.
Eine Szene hat mich dann aber doch überrascht: Der Moment der Wahrheit zwischen Maximilian und Sophie kam viel schneller, als ich gedacht hätte. Gerade weil sich die Geschichte zunächst langsam entwickelte, hatte ich nicht erwartet, dass die Auflösung so plötzlich kommt. Und auch Maximilians Reaktion darauf war anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
Die Figuren und ihre Tiefe
Maximilian ist mir emotional sehr nahe gegangen. Als Mutter habe ich mich dabei ertappt, meine eigene Eltern-Kind-Beziehung zu hinterfragen. Es hat mich traurig gemacht, dass er nur aus Pflichtgefühl nach Hause zurückkehrt. Ich wünsche mir, das meine Kinder später immer gerne nach Hause zu Besuch kommen. Weil sie es wollen und nicht nur aus Pflichtgefühl.
Sophie hingegen blieb mir fremd. Vielleicht, weil sie selbst so viele Geheimnisse hat. Ich habe einfach nicht genug über sie erfahren, um eine echte Verbindung aufzubauen. Sie bleibt das große Rätsel des Buches.
Sprachstil & Erzählweise
Janine Ukenas Schreibstil empfand ich als eher nüchtern. Mir fehlte die emotionale Tiefe, die mich wirklich mitreißt. Besonders am Anfang konnte mich der Stil nicht fesseln.
Positiv fand ich jedoch, dass die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Sophie und Maximilian erzählt wurde. Dadurch konnte ich beide Sichtweisen nachvollziehen – und oft war es spannend zu sehen, wie unterschiedlich sie dieselben Situationen erlebten.
Der Spannungsbogen hingegen war nicht ganz rund. Während der Anfang sich zog, passierte gegen Ende alles auf einmal. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse – was zwar für Dramatik sorgt, aber mir ein wenig unausgewogen erschien.
Wenn du Bücher magst, die sich langsam entfalten und in denen Familiengeheimnisse eine große Rolle spielen, könnte Vor uns das Rauschen des Meeres genau dein Ding sein.
Persönliche Reflexion: Was bleibt?
Zum Glück gibt es keine Parallelen zu meinem eigenen Leben – und ehrlich gesagt hoffe ich, dass es auch so bleibt. So viele Geheimnisse, Missverständnisse und Lügen in einer Familie? Das wäre für mich unerträglich. Familie ist für mich ein sicherer Ort, keine Arena für ungelöste Konflikte.
Dennoch hat mich das Buch nachdenklich gemacht. Vor allem die Frage, wie unser Verhalten als Eltern unsere Kinder prägt. Oft merkt man erst Jahre später, welche Spuren man hinterlassen hat – und dann ist es zu spät, etwas zu ändern.
Ein weiteres Thema, das mich beschäftigt hat: Wir sehen von anderen Menschen immer nur das, was sie uns zeigen. Was wirklich hinter ihrer Fassade steckt, bleibt oft verborgen. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und hat mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt.
Fazit
Wer eine langsam erzählte Liebesgeschichte mit viel Drama und zahlreichen Geheimnissen sucht, wird hier fündig. Das Buch hat seine Stärken – vor allem in der Tiefe von Maximilians Geschichte –, aber auch Schwächen.
Ich werde wohl auch den zweiten Band der Reihe lesen, einfach aus Neugier. Vielleicht wird dort mehr von der Romantic Suspense-Komponente zu spüren sein, die mir hier gefehlt hat.
Insgesamt gebe ich Vor uns das Rauschen des Meeres 3,5 Sterne – und damit ein Vielleicht lesen.
